Interview: Der freiwillige Markt heute und in Zukunft
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Guten Tag Herr von Lamezan. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.
(Squake) Philipp von Lamezan:
Guten Tag Frau Nehlsen, vielen Dank für die Einladung.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
MoorFutures Schleswig-Holstein und
Squake.earth arbeiten jetzt seit fast drei Jahren zusammen.
Dabei haben wir immer ein
Auge auf die aktuellen Entwicklungen – sowohl auf dem Markt als auch in der
Politik.
Heute würde mich einmal Ihre Perspektive interessieren: Squake agiert ja direkt im freiwilligen CO₂-Zertifikatemarkt. Deshalb würde ich gern mit Ihnen über die aktuelle Marktentwicklung sprechen, worauf es bei der Auswahl von Klimaprojekten ankommt, und wie Sie die Zukunft des freiwilligen CO₂-Marktes einschätzen.
Doch bevor wir direkt so tief einsteigen, mögen Sie sich und Ihr Unternehmen einmal kurz vorstellen?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Ich bin Philipp von Lamezan, CEO und Co-Founder von SQUAKE.earth. Wir sind ein Climate-Tech-Unternehmen, das Endkunden und Unternehmensreisenden ermöglicht, nachhaltige Angebote direkt in bestehende Kundenerlebnisse zu integrieren. Unser Ziel ist es, Reisenden an relevanten Schnittstellen – etwa bei der Buchung eines Fluges, einer Unterkunft oder eines Mietwagens – zu ermöglichen, ihren individuellen CO₂-Fußabdruck zu adressieren.
Ein Beispiel dafür ist unsere Kooperation mit Airbnb, über die Gäste gezielt hochwertige Klimaschutzprojekte unterstützen können. Dabei fördern wir sowohl lokale Initiativen wie MoorFutures, die durch Moorwiedervernässung CO₂ binden, als auch Projekte zur dauerhaften CO₂-Entfernung und -Speicherung, um langfristig messbaren Klimanutzen zu schaffen.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Vielen Dank für die Vorstellung. Damit ist es für Squake ja besonders wichtig über aktuelle Marktentwicklung und auch Berichtspflichten informiert zu sein, um Ihre Kunden gut beraten zu können. Jetzt ist es ja so, dass in den letzten Jahren viel Dynamik auf dem freiwilligen CO2 Markt herrscht. Wie schätzen Sie denn die aktuelle Entwicklung ein?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Wir sehen derzeit eine sehr positive Entwicklung innerhalb des freiwilligen CO₂-Markt im Bezug auf die Qualität. Nach Jahren, in denen insbesondere bei traditionellen internationalen Kompensationsprojekten deutliche Qualitäts- und Performancedefizite sichtbar wurden, richtet sich der Fokus nun zunehmend auf hochqualitative Projekte.
Diese Verschiebung führt zu einer Konsolidierung des Marktes: Ressourcen und Nachfrage konzentrieren sich auf nachweislich wirksame und transparente Projekte, während bei Projektarten mit Qualitätsproblemen ein Preisverfall zu beobachten ist. Insgesamt ist das ein gesunder Reifeprozess, der den Markt langfristig stabiler, glaubwürdiger und wirkungsvoller macht.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Diese Entwicklung sehen wir auch bei den MoorFutures-Kunden. Aber wir nehmen auch Unsicherheiten bei Unternehmen wahr, wenn es um die Investition in Klimaschutzprojekte geht. Deswegen bemühen wir uns stehts umfangreich aufzuklären. Was sind denn Ihrer Meinung nach die größten Missverständnisse oder Vorurteile bei Unternehmen, wenn es um Investitionen in den Klimaschutz geht?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Ein häufiges Missverständnis bei Unternehmen ist, dass Investitionen in den Klimaschutz pauschal mit mangelnder Transparenz oder zweifelhafter Wirkung gleichgesetzt werden – ein Eindruck, der vor allem durch Qualitätsprobleme einiger internationaler Projekte entstanden ist.
Tatsächlich hat sich der Markt stark weiterentwickelt: Lokale Projekte zeichnen sich heute durch hohe Qualität, messbaren Impact und hohe Nachvollziehbarkeit aus – ihr Effekt ist für jeden greifbar und überprüfbar. Zudem sorgen unabhängige Prüforgane inzwischen dafür, dass Qualitätsmängel frühzeitig erkannt und offengelegt werden.
Gerade bei Projekten zur dauerhaften CO₂-Entfernung und -Speicherung wird heute mit Echtzeitdaten aus den Anlagen gearbeitet, die eine präzise Bewertung von Permanenz und Wirksamkeit ermöglichen. Dadurch wird deutlich: Klimaschutzinvestitionen können heute hochtransparent, überprüfbar und wirkungsvoll sein.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Welche Kriterien nutzen Sie, um hochwertige CO₂-Zertifikate auszuwählen?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Für uns bei SQUAKE steht Qualität an erster Stelle. Bevor wir ein Projekt in unser Portfolio aufnehmen, durchläuft es einen umfassenden Due-Diligence-Prozess, der auf einem eigenen Kriterienkatalog basiert. Damit stellen wir sicher, dass nur Projekte angeboten werden, die nachweislich wirksam und transparent sind. Über unseren eigenen Prozess hinaus arbeiten wir mit einer Vielzahl von Auditierungs- und Zertifizierungsparteien zusammen, um neben der internen auch externe Validierung und Transparenz zu schaffen.
Wir prüfen dabei unter anderem die angewandte Methodologie, die Additionalität der Maßnahmen, also ob das Projekt tatsächlich über den Status quo hinaus Emissionen vermeidet oder entfernt, sowie die Permanenz der erzielten Wirkung. Externe Validierung – etwa durch unabhängige Gutachten, spezialisierte Rating-Agenturen oder Monitoring-Provider, die die Projektleistung fortlaufend überwachen - komplettiert den Prozess.
So stellen wir sicher, dass jedes über SQUAKE unterstützte Projekt einen realen, überprüfbaren Beitrag zum Klimaschutz leistet.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Einige Ihrer Projekte, die Sie vermitteln liegen ja auch in Deutschland. Welchen Wert haben regionale Projekte für Sie und Ihre Kunden?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Wir beobachten, dass insbesondere erfahrene Unternehmen im freiwilligen CO₂-Markt zunehmend Wert auf lokale Initiativen legen. Der Grund liegt auf der Hand: Der Impact solcher Projekte ist unmittelbar greifbar und überprüfbar.
Beispiele wie die MoorFutures-Projekte zeigen, wie transparent und erlebbar Klimaschutz sein kann – viele dieser Projekte ermöglichen Besuche vor Ort, bei denen man die Wirkung der Maßnahmen direkt nachvollziehen kann. Für Unternehmen ist das nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch eine starke Möglichkeit, Mitarbeitende einzubeziehen und Bewusstsein zu schaffen.
So entsteht eine emotionale Verbindung zwischen Klimaschutz, Unternehmen und Menschen – und genau das steigert den wahrgenommenen und tatsächlichen Wert regionaler Projekte.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Das stimmt. Noch eine Frage in eigener Sache: Warum haben Sie sich für MoorFutures entscheiden?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Wir haben uns für MoorFutures entschieden, weil diese Projekte seit vielen Jahren zu den vertrauenswürdigsten und wirkungsvollsten Klimaschutzinitiativen in Deutschland zählen. Ihr Ruf spiegelt sich auch darin wider, dass die Projekte regelmäßig ausverkauft sind und inzwischen in immer größeren Maßstäben umgesetzt werden – ein klares Zeichen für die steigende Nachfrage nach regionalen, hochwertigen Klimaschutzlösungen.
Darüber hinaus leisten MoorFutures einen besonders greifbaren ökologischen Beitrag: Entwässerte Moorflächen verursachen noch immer rund 7 % der deutschen Treibhausgasemissionen. Durch ihre Wiedervernässung werden nicht nur diese Emissionen verhindert, sondern auch wichtige Nebeneffekte für Natur und Landschaft erzielt – von einer höheren Resilienz gegenüber Trockenheit und Hochwasser bis hin zur Schaffung wertvoller Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Auch dies wird von unseren Kunden sehr wertgeschätzt.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Vielen Dank, das ist schön gesagt! Es freut uns, dass unser Anspruch gesehen wird. Wir hoffen auch, dass das Engagement der Unternehmen und auch Privatpersonen weiterhin so hoch bleibt und sie es ermöglichen, dass wir weiter Projekte umsetzen. So können wir gemeinsam Klimaneutral werden. Wie schätzen Sie denn die Entwicklung des freiwilligen Marktes in den nächsten Jahren ein?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Wir erwarten, dass der freiwillige CO₂-Markt in den nächsten Jahren deutlich qualitätsgetriebener wird. Sichtbar ist schon heute ein deutliches Wachstum bei regionalen Projekten sowie bei permanenter CO₂-Entfernung und -Speicherung – getrieben von Unternehmen, die nachweisbaren, transparenten und überprüfbaren Impact verlangen.
Damit einher geht eine Marktkonsolidierung: Kapital und Nachfrage fließen verstärkt in hochqualitative Projekte mit robustem MRV (Monitoring, Reporting, Verification), während weniger belastbare Projektarten an Relevanz verlieren. Wir rechnen zudem mit längeren Abnahmeverträgen, klareren Qualitätsbenchmarks und einer stärkeren Einbindung in Unternehmensstrategien – von Beschaffung bis Reporting. Kurz: Weniger Menge, mehr Qualität – und mehr Wirkung.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Welchen Rat geben Sie Unternehmen, die sich ernsthaft mit Klimaschutz auseinandersetzen wollen?
(Squake) Philipp von Lamezan:
Unternehmen, die sich ernsthaft mit Klimaschutz auseinandersetzen wollen, sollten frühzeitig aktiv werden. Da es bereits heute in Teilen zu Engpässen bei hochwertigen Projekten kommt, zeigt sich ein klarer Trend, sich rechtzeitig mit der eigenen Klimaschutzstrategie und passenden Projekten zu beschäftigen. So lassen sich Ad-hoc-Entscheidungen vermeiden.
Sinnvoll ist es, langfristige Partnerschaften mit Anbietern einzugehen, um Planbarkeit bei Qualität und Volumina Mengen zu schaffen. Zudem hat es sich bewährt, ein ausgewogenes Projektportfolio aufzubauen – also regionale, greifbare Projekte mit dauerhaften CO₂-Entfernungsmaßnahmen zu kombinieren. Wenn Klimaschutz darüber hinaus frühzeitig in interne Prozesse wie Beschaffung, Reporting und Kommunikation eingebettet wird, entsteht daraus eine nachhaltige, ganzheitliche Unternehmensstrategie statt einzelner, kurzfristiger Maßnahmen.
(MoorFutures) Martje Nehlsen:
Vielen Dank Herr von Lamezan das war ein spannendes Interview.
(Squake) Philipp von Lamezan:
Gerne und ebenfalls vielen Dank.
